Die Friedensfahrt nach Toljatti zum 40. Geburtstag des Lada-Niva

Zwei Redaktionsmitglieder auf großer Fahrt mit dem Lada Niva 

Start am 2. Juli 2017 in Berlin

Zwei Mitglieder der Redaktion nehmen teil an der Reise nach Toljatti anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Lada Niva.

 

Sinn und Zweck der Reise, Emotionen und Erlebnisse...

 

Wie alles begann - Carsten Braun erinnert sich:

(CB) Die besten Ideen entstehen aus einer Laune heraus. Ob dies in diesem Fall eine Bierlaune war, weiß ich nicht, jedoch die Idee war geboren, als Redaktionskollege Sebastian Mai diese folgenschwere e-Mail schrieb:

 "Jungs, nächstes Jahr findet was ganz tolles statt:  Es wird ein Niva-Treffen in Berlin geben und anschließend eine zweiwöchige Tour nach Toljatti über Minsk und Moskau. Ich, der kein Wort Russisch spricht und das nie gelernt hat, der es nur mühsam stammelnd lesen kann, ohne die Bedeutung der Worte zu kennen, habe grad große Lust, als 79oktan-Reporter bei der Tour dabei zu sein."

Da waren sie nun, unsere drei Probleme: Wir hatten keinen passenden Lada Niva, keiner kann russisch - und warum hab ich nicht nein gesagt?

 



Sinn und Zweck der Reise - eine Friedens- und Freundschaftsfahrt

(SM) 1977 begann im Wolga-Automobilwerk Toljatti die Fertigung des Lada Niva. Man könnte heute sagen, daß er der Urvater aller SUV ist. Aus diesem Anlaß hat die Lada Niva IG Deutschland gemeinsam mit dem Lada-Werk eine Friedens- und Freundschaftsfahrt sowie ein

umfassendes Reiseprogramm organisiert. Eine Gruppe mit etwa 15 Lada Niva wird am 2. Juli 2017 per Achse in Berlin nach Toljatti

aufbrechen, um dort an der Jubiläumsfeier teilzunehmen und damit einen Beitrag zur dringend nötigen Völkerverständigung zwischen Deutschland/Westeuropa und Russland leisten. Diese Fahrt ist aus guten Gründen ausdrücklich als Friedensfahrt deklariert, denn in Zeiten zunehmender politischer Aggression zwischen dem Westen und Russland, erscheint es allen Teilnehmern enorm wichtig, die gegenteilige Haltung der Bürger deutlich sichtbar zu machen. Während die NATO-Truppenverbände im Baltikum stationiert werden, wollen die Nivas und ihre Besatzungen als ziviles Symbol für Frieden und Völkerfreundschaft touristisch durchs Land reisen und hoffentlich deutliche Zeichen dafür setzen, daß die Bürger anders empfinden und denken als die politischen Eliten.

79oktan hat sich dafür entschieden, an dieser Fahrt mit einem eigenen Redaktions-Niva teilzunehmen. Unser Fahrzeug wird mit Baujahr 1991 das älteste sein, das an dieser Reise teilnimmt.  Der  technisch  und  optisch  überarbeitete  Autowagen  wird  nach  der  Reise  als Redaktionsfahrzeug zur Verfügung stehen.

Uns  liegen einerseits die Belange der Völkerverständigung besonders am Herzen und andererseits möchten wir im Sinne unseres Magazins auch vom Niva-Jubiläum berichten und spannende  Reiseberichte liefern aus  Gegenden,  die  in  unseren  Medien  zumeist  recht einseitig  dargestellt  werden.  Das  Reisekollektiv,  bestehend  aus  den  Redaktionsmitgliedern Carsten Braun und Sebastian Mai, hat sich monatelang auf die Tour vorbereitet und wird mit vielen  Eindrücken  und  interessanten  Inhalten  für  die  folgenden 79oktan-Druckausgaben zurückkehren. Während der Reise werden tägliche Blog-Einträge in sozialen Netzwerken und hier auf  der  79oktan-Seite  das  Publikum  einladen,  uns  virtuell  durch  Polen,  durch das  Baltikum und durch Weißrussland bis nach Russland zu begleiten.
Zwischen Berlin und Toljatti liegen rund 3000 Kilometer. Der 26 Jahre alte Redaktions-Niva wird diese Strecke mit uns bewältigen und die Friedenstaube im Heckfenster wird jedem, der uns sehen will, zeigen worum es geht.

Um eine längst überfällige Änderung der Beziehungen zu Russland, um Frieden und Völkerfreundschaft.

Und um den Lada Niva, der seit mittlerweile 40 Jahren im Волжский автомобильный завод Toljatti  gefertigt  wird,  wo  er  hoffentlich  noch  lange  in  seiner  klassischen  Form  im Produktionsprogramm bleibt.

 

Wir werden berichten. Versprochen!

 


Das erste Problem, der erste Akt:

(CB) Kein Niva weit und breit, der uns nach Russland und zurück bringen kann. Also wurden sämtliche Verkaufsplattformen durchsucht, um einen tauglichen Niva zu finden. Es sollte ein 1600er Modell mit den alten Rückleuchten sein, denn wenn wir schon als Redaktionsteam des Ost-Oldtimermagazins 79oktan antreten, dann auch bitte standesgemäß. Neu kann ja jeder.

Gefunden wurde unser zukünftiger Lada Niva im thüringischen Hinterland. Zugelassen und mit einer gültigen HU-Plakette am hinteren Nummernschild, beginnendem Rostfraß an den Radläufen und einer leidlich gewarteten Technik. Wenn man die Oldtimerzustandsbewertung als Maßstab anlegen möchte, dürfte der Wagen eine 4+, bestenfalls eine 3- bekommen.

Andere, bessere Niva standen entweder am falschen Ende Deutschlands, waren zu teuer oder schon weg. Es nützt ja nichts, dieser Niva wird gekauft. Als kleinen Haken, (oder passender: Pferdefuß) entpuppt sich die Bedingung des Verkäufers, den Niva im Paket mit einem zweiten Niva als Teileträger zu kaufen. Falls also jemand einen richtig rostigen Endachtziger 1600er haben möchte, darf sich gern bei uns melden.

Der Reise-Niva wurde dann die 200 Kilometer per Achse nach Hause gefahren. Dabei offenbarten sich schon einige Dinge, die Zuwendung brauchen, jedoch die Heimfahrt nicht ernsthaft gefährdeten.


Das erste Problem, der zweite Akt:

(CB) Vor Antritt der Reise, immerhin 3000 Kilometer bis nach Toljatti, muss der Niva technisch überholt werden. Nach eingehender Überprüfung des Nivas freuen sich diverse Ersatzteilhändler über einen sprunghaft angestiegenen Umsatz. Von der Bremsanlage bis zur Wischwasserpumpe werden alle sicherheits- und verschleißrelevanten Teile ersetzt. Das klingt so einfach und locker, als könnte man das in einer Woche bewerkstelligen. Nach Feierabend. Im Prinzip könnte man das auch, aber nicht, wenn der Vorbesitzer jegliche Wartung und Pflege dem Auto vorenthalten hätte. Unzählige Schrauben und Muttern lassen sich nicht lösen oder brechen gleich ab. Hier kommt dann das dritte Problem erstmals zum Tragen: Warum hab ich nicht nein gesagt...

 


Das erste Problem, der dritte Akt:

(CB) Wenn wir nun als Redaktionsmitglieder an dieser Russlandreise teilnehmen, muß auch die Optik des Autos passend sein. Ausgeliefert wurde unser Niva in einem " teichalgengrün". Nicht wirklich ansehnlich, zumal auch der Rost hier und da seine Blüten treibt. Der Redaktions-Niva soll schon von weitem als solcher erkannt werden. Eine komplette Lackierung würde das Budget sprengen und auch im vorgegebenen Zeitrahmen nicht zu schaffen sein. Wir entscheiden uns, den Lada zu folieren. Das ist wesentlich kostengünstiger, deutlich schneller gemacht, als eine Komplettlackierung und hat den theoretischen Vorteil, daß man die originale Optik wieder herstellen könnte, wenn man denn wollte. Die Vorarbeiten sind denen für eine Lackierung ähnlich: Sämtliche Roststellen müssen behandelt, geschliffen und gespachtelt werden. Anbauteile, wie Rückleuchten und Kühlergrill, müssen demontiert werden. Die ursprünglich angebrachten Aufkleber lassen sich einigermaßen gut mit der Heißluftpistole entfernen. Kleberrückstände werden abgeschliffen, bis schließlich alle Flächen dem so oft bemühtem Babypopo recht nahe kommen. Der Niva wird verladen und per Anhänger geht´s zum Folierer. In vier Tagen soll der Niva in neuem Gewand zur Komplettierung zurück sein. Dann müssen nur noch fix die Anbauteile wieder montiert werden und fertig.
Nur noch...? Fertig...? Genau!


(SM 26.06.2017) Also, der Kollege Carsten Braun ist doch ein Filou...
Da sagt der Mann kein Wort, holt still und leise den Niva noch vorm vereinbarten Termin beim Folierer ab, baut das Ding am Sonntag heimlich zusammen und präsentiert dann grinsend die Bilder mit dem Endergebnis.
Und ich mache mir einen Kopf, wie wir alles schaffen bis zum Start...

Das erste Problem, vorletzter Akt:

(CB) Frei nach Hannibal: Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!

Sonntag Nachmittag. Das Telefon klingelt und der Folierer meldet Vollzug. Der Niva ist fertig!

Per Anhänger kommt der Niva nach Hause. Die Anbauteile sind tatsächlich schnell wieder montiert und als letzer größerer Akt steht noch der Wiedereinbau des Verteilergetriebes an. Nachdem der Niva anfangs mit einem extrem hohen Spritverbrauch aufgefallen ist, spendieren wir ihm noch einen neuen Vergaser. Richtig eingestellt, bleibt auch die Nadel der Tankanzeige länger im oberen Bereich.

Es kann also langsam losgehen...

An dieser Stelle herzlichen Dank an die Firma Lanzenberger Werbung in Annaberg-Buchholz!

http://lanzenberger-werbung.de


Das zweite Problem:

(CB 27.06.2017) Spricht jemand russisch? Gut elf Jahre Schulrussisch sollten eigentlich ausreichen, um sich halbwegs wortgewand als Tourist in Russland zurechtzufinden. Doch je länger man drüber nachdenkt, ist nicht mehr viel hängengeblieben. Wahrscheinlich ließ der Gedanke "Russisch brauchst du eh nie wieder...", die Aufmerksamkeitsspanne rapide sinken.

Nun: Es kommt eben doch anders, als man denkt.

 

Die Aufmerksamkeitsspanne reichte bisher, um zumindest die Sehenswürdigkeiten zu finden bzw. zu erfragen. Das dürfte allerdings für unser Vorhaben nicht ganz ausreichen. Die freie Zeit, in der der Niva in der Werkstatt oder zum Folieren war, nutzten wir intensiv, um uns die russische Sprache wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Menja sowud Carsten. Ja schiewu f Zwickauje...

 

(RT) ... und so klappt`s auch mit dem Feierabendbierchen: Ja chatschu odna Botilka Piwo jeest, baschalsta.

 

(SM) Leider ist der Kollege Sebastian Mai ein gutes halbes Jahr zu spät geboren. Deshalb musste er auf Russischunterricht verzichten und hat diesen Sprachführer für den Notfall gekauft. Es wird schon klappen. Hände, Füße, Zeichenstift. Irgendwie versteht man sich schon. Oder, wie ein erfahrener Russlandkenner kürzlich sagte: "Russisch? Das lernst Du beim ersten Abendbrot..."


Das erste Problem, letzter Akt:

(CB 29.06.2017) Der Niva ist abfahrbereit! Nachdem wir gestern noch eine 300km lange, störungsfreie Probefahrt absolviert haben, wurden heute die letzten Kleinigkeiten erledigt. Der Niva rollt nun auf neuen Reifen und Felgen. Das schiefstehende Lenkrad und die verstellte Vorspur sind korrigiert. Der Verbrauch ist mit rund 10l auf 100km durchaus akzeptabel.
Ich geh dann mal packen...

An dieser Stelle ein Dank an das Autohaus Kokot für die unkomplizierte Unterstützung!



Sie sind unterwegs

2. Juli 2017: Unterwegs zwischen Warthe und Weichsel. Wetter sehr angenehm, der Niva läuft. 79oktan auf Reisen.

 

Das Reisekollektiv Sebastian Mai (links) und Carsten Braun (rechts) dankt allen für die guten Wünsche, die uns mit auf den Weg gegeben wurden.


3. Juli 2017 (CB) Kurz zusammengefasst: Die zweite Etappe beendet in Lettland. Warschau - Daugavpils. Oder einfach Pampa in Lettland. Verbrauch heute 9,1 Liter Sprit auf 100km und ein kräftiger Schluck Öl.

Der einzige Ausfall bisher: Das Zelt!

Impressionen am Wegesrand: SIL-157 als Feuerwehrauto



5. Juli 2017: Добро пожаловать в Россию!

Willkommen in Russland!


6. Juli 2017: Wir haben Moskau gesehen:


Endlich mal die komplette Reisegruppe zusammen auf einem Bild.


Berichterstattung im Neuen Deutschland am 05. Juli 2017. Mit großem Dank an unseren Redakteur Lars Leonhardt, der mit seinen guten Kontakten zur schreibenden Zunft und mit fleißiger Öffentlichkeitsarbeit diese Pressemitteilung "im Blätterwald" ermöglichte.


(SM)Russland beginnt erst hinter Moskau.

 

O-Ton vom Beifahrersitz:
Seitdem sich der Fahrer im Straßenverkehr daneben benimmt, läuft's flüssig. 😬
Oder mit den Worten Uwe Steimles, es flutscht. 😉
7. Juli: CB
verrückt.

Der Fahrer braucht Kaffee und der Niva braucht Öl. Immer schön den Flüssigkeitsstatus im Auge behalten in den Weiten Russlands. Obwohl viele Tankstellen den Wegesrand säumen bleiben die beiden aufmerksam, denn mehr denn je gilt hier: Man(n) weiß ja nie, was als nächstes kommt.

 


(CB) Fundstück im Internet: Manche machen es aber auch gern kompliziert... wir würden den Klappspaten empfehlen,😉 den wir natürlich auch dabei haben, bisher aber nicht brauchten.
Demnächst mehr zum Thema "Ich hab's gern kompliziert" und "Wie helfe ich mir selbst". Bleibt gespannt! 😉


(CB) Damit das nicht im Nirvana bei Facebook untergeht. So und nicht anders!☝🏻 Deswegen haben wir die Friedenstaube auf der Heckscheibe. 😉 Danke Andrei Kretschmer


Die letzte Etappe am Freitag, den 07.07.2017: Nur noch 250 Kilometer bis zur Wolga.


7. Juli 2017: Willkommen im Lada-Werk. Wir sind ...

A N G E K O M M E N



 

Lesen sie hier weiter:


Mit maßgeblicher Unterstützung durch den Verein Fuhrpark Ost-West.

www.fuhrpark-ost-west.de

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Kommentare: 1
  • #1

    Holger PRINZHORN (Donnerstag, 10 August 2017 14:44)

    Gratulation zu Eurer Friedensfahrt.

    Parallel haben wir auch seit letztem Jaqhresende so eine Fahrt geplant und von Bad kreuznach nach Kaliningrad gemacht. 2 URAL Retro 750 Gespanne und mein URAL 650 Gespann. Ein Freund aus Moskau kam mit seinem Sohn und einer URAL Retro 750 aus Moskau. Wir hatten jeweils etwa 1500 km Anreise, ohne BAB nur über kleine Landstraßen gemacht.

    http://www.ural-fahrer.de/t716f20-Reise-mit-URAL-Gespannen-nach-Kaliningrad-eine-kleine-Tour-fuer-URAL-fahrer-de-Mitglieder.html