Rost am Ring - der Teilemarkt in Ottendorf-Okrilla

Oldtimerfreunde schwärmen

Der Teilemarkt „Rost am Ring“ lockte Schrauber sogar aus Polen ins Ottendorfer Gewerbegebiet. Mehr als 500 Händler stellten hier aus.

 

Schon am frühen Sonntagmorgen drängten sich die Oldtimerfreunde auf dem Teilemarkt in Ottendorf-Okrilla. Mehr als 500 Anbieter aus ganz Europa hatten hier ihre Stände aufgebaut.

 

© Bernd Goldammer

 

 


Für Janusch Dybalski aus dem polnischen Krakau war gestern ein besonderer Tag. Kurz nach Mitternacht stand er auf, verstaute seinen Rolli in einem Skoda Octavia und stellte seinen Aluminium-Behälter mit einer Mahlzeit dazu. Kurz nach sieben Uhr war er in Ottendorf. „Mein Herz hüpfte“, erzählte er schmunzelnd. Für den Fahrzeugrestaurator geht es um viel. In seiner Werkstatt hat er einen Ford-Oldtimer stehen. Er will ihn bald zusammenschrauben und danach komplett restaurieren. Der Wagen muss wie neu aussehen, wenn er aus meiner Werkstatt kommt. Dybalski sucht Originalteile. Auch in Polen gäbe es interessierte Kunden, die gutes Geld für seine Arbeit zahlen.

Was der Tag in Ottendorf-Okrilla für ihn bringen soll? „Ich weiß nur, dass ich hier meistens fündig wurde“, stellt er lachend fest. Einmal habe er hier einen Verkäufer vor Freude umarmt. Der völlig verdutzte Mann hatte unter seinem Rosthaufen genau das Ersatzteil liegen, das Dybalski lange gesucht hatte. Ein anderes Mal konnte er einem befreundeten Landsmann ein wichtiges Teil mitbringen. Prompt bekam er wenig später die Autoscheibe, die er dringend brauchte. „Viele Leute verstehen nicht, warum man bei diesem Auto-Hobby so glücklich werden kann“, stellt der Rentner in perfektem Deutsch fest und wieder lacht er über das ganze Gesicht.

Ersatzteile für Oldtimer zu bekommen, sei noch aufwendiger als Trüffel suchen. Enormes Fachwissen und große Erfahrung in der Fahrzeug-Restaurierung sind die wertvollsten Grundlagen. In Ottendorf trifft er wenig später Martin Kowalski und Jacek Lewandowski. Man kennt sich. Es gibt ein kurzes "Hallo" und schon schwärmen die Oldtimerfreunde aus. Opa Dybalski sei für Teilehandel etwas zu emotional, war von den beiden zu hören. Sie setzen mehr auf Pokerface. Wenig später bleibt ihnen fast der Mund offen stehen. Original-Ersatzteile für Simson-Stare und Schwalben werden aus einem Verkaufswagen verkauft. Die Preise sind vergleichsweise günstig. Generalüberholte und/oder gebrauchte Teile sind bei den echten Schraubern allerdings am gefragtesten. Denn es ist kein Geheimnis: Qualität war in DDR-Zeiten auch ein Gebot der Not. Rohstoffe waren knapp und Ersatzteile mussten lange halten. An einem Fahrzeugstand kommen ältere Besucher mächtig ins Staunen. „1990 hätte niemand geglaubt, dass Kfz-Schrott aus DDR-Produktion wertvoll sein könnte“, bemerkt Lutz Esche aus Dresden und zeigt auf Trabant-Tanks, Scheinwerfer und Motorradreifen. Eine generalüberholte MZ-RT125 zieht viele Blicke an. Als das Preisschild erblickt wird, beginnt das große Kopfschütteln. 3450 Euro soll das 1957 gebaute Motorrad kosten mit Kfz-Brief aus DDR Zeiten. So viel habe die Maschine nicht einmal neu mit Garantieschein und in DDR-Währung gekostet. „Angebot und Nachfrage regeln jetzt den Preis“, ruft ein bärtiger Mann aus dem Gewimmel heraus. Einige schütteln den Kopf, andere gewinnen dadurch Lust und Motivation für ihre eigenen aufwendigen Restaurierungen. Sie suchen jetzt noch intensiver. „Rost am Ring“ ist eine gute Basis für den Informationsaustausch. An den hiesigen Preisen ist zu sehen, dass die Nachfrage offensichtlich gewachsen ist. Kein Wunder, wenn sich Oldtimerfreunde aus allen Himmelsrichtungen auf den Weg nach Ottendorf-Okrilla machen.

 

Sogar ein Fahrzeug-Magazin aus der Hansestadt Osterburg ist hier. Als Blickfang haben sie einen Regierungsvolvo der DDR dabei. „Das war der Dienstwagen Konrad Naumanns“, versichert Dr. Rolf Mahlke. Konrad Naumann war 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Berlin und Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der SED in der DDR. Rolf Mahlke ist der Herausgeber des Magazins „79 Oktan“. Hier vertritt er auch den Verein „Fuhrpark Ost-West“. Ottendorf sei ein guter Platz, um Werbung für seine Zeitschrift zu machen. Rost am Ring hat er gestern tief ins Herz geschlossen. „Es war eine spannende Veranstaltung. Ständig haben wir nette, sachkundige Leute getroffen. Es gab viele gute Gespräche“, resümiert er.

 

Link zum Pressebericht: www.sz-online.de/sachsen/rost-am-ring-3631862.html

Link zur Homepage der Oldtimerfreunde in Ottendorf-Okrilla:  www.oldtimerfreunde-ottendorf-okrilla.de

 

Redaktionelle Bearbeitung: Rüdiger Thiess

Alle Bilder: Rolf Mahlke, Verlag 79oktan